Ich habe 2 gekühlte Äpfel ins Paradies geworfen

Sie war schon wieder aufgewacht, und die Summe war dieselbe plus eins. Der 4. des Monats, sie musste auf dem Handy nachsehen. Es gab keinen Termin, keine Anfrage, sie war vollkommen frei von äußeren Ansprüchen und fühlte dennoch einen immensen Druck. Ihr Körper war leicht, beweglich, sehr dehnbar und auch sehnig, doch das Gefühl hätte eine Tonne verteilt in unregelmäßigen Blöcken auf ihrer Figur tragen können, um authentisch zu sein. Sie schüttelte sich kurz, setzte die kleine Kanne für Espresso plus

einen halben Topf mit Sojamilch auf und aß als erstes 85% ige Schokolade in der Hoffnnug auf Seretoninauschüttung. Hoch motiviert und durch einige Bewegung in ihrem 60 qm Studio, war sie nach der ersten Tasse bereits am Werk. Sie ließ immer etwas Arbeit stehen, um bloß nicht in dieses Loch zu fallen, doch da musste sie heute rein.
Sie hielt sich, wie gefühlt immer schon, stets über Wasser, das war der entspannte Kamikatze-Zustand mit Jaguar im Sommer, Portofino zu Ostern und New York im März. Reise konnte sie. Doch heute war es nicht nur der Druck von oben und auch seitlich spürbar, es zog etwas sanft in die Tiefe. Bedrohlich war es nicht, doch vor gewohnter Anspannung hatte sie die irre Vorstellung nie wieder hoch zu kommen, wenn sie erst einmal losließe.
Es kam ruckweise und die Welt ging mit. Ja! … die Ganze!
Denn die Frage, was Außen-, was Innenwelt sei, war eh schon als Paradoxon und als ein und dasselbe begriffen. (Man muss das Ändern leben!)
Der Vietnamese unten verschmolz mit dem Straßenlärm, Wetter, Tageszeit : Egal.
Sie tauchte ab.
Es war ohne Gänsehaut, denn die kam mit der Leichtigkeit, wenn sie auf Hochtouren lief. Dieses Gefühl war anders mit gleicher Qualität. Wahrscheinlich war es auch dasselbe, der Körper machte es nur anders. Es war auch bitter nötig, der Kopf brannte schon und der Nacken machte knirschende Geräusche … OH, Kopf ab!
Bis zur vollkommen Erschöpfung zu arbeiten, um das Denken zu lassen, eine Manie, die sie aus der Kindheit mitschleppte. Es war Zeit sich davon zu verabschieden.
Das heißt nicht, es einfach alles so zu lassen, oder.. denn es war klar, würde sie alles lassen, würde sich alles ändern und zwar sofort.
Sie war noch nicht so weit, so es eben auch schubweise, mit Bedacht:
Das Loslassen und das Betrachten im Wechsel, denn will man alles verändern, muss man es auch lassen _ oder _ ändert man alles , bleibt alles wie es ist … in der Schwebe der Paradoxie oder sagen wir doch gleich Paradies.

Sie lies es also langsam angehen.
Zu viel Arbeit war schon erledigt, sie war ihrer Zeit selbst vorraus, doch träges Dahin-schlummern, träge und fett werden, kam nicht in Frage. Das Arbeiten hielt sie wach. Sie wechselte also die Materie, um das Surfen nicht zu verlernen, was sie sich in den letzten 2-3 Jahren antrainiert hatte. Allein war es gut, und da war es wieder, es zog nach unten und war genauso durchdringend wie das von oben. “OK, dann drehe ich eben alles um!” Kopfstand, statt Kopf ab. Umgekehrt machte es wieder Sinn. Der Stimmung war es egal, sie wusste sowieso, daß dies alles Selbstgespräch war, die nach innen gerichtete Projektion quasi. Es kam einem Rendezvous gleich oder dem Treffen mit dem vertrauten Freund. Beide wussten, das, was da vor sich ging, würde keiner sonst auf diesem Planeten verstehen. Es wurde nicht gesprochen, es war also klar.
Nonverbal versteht sich.

Was daraus folgte, war die Rückkehr der Jugend und das Abklären der Notwendigkeiten. Oh Dear! Schon wieder das Aufräumen, das nimmt wohl kein Ende. Generationsmüll, genetische Formationen, Wechsel, Abfall.. mal sehen, was am Ende so übrig bleibt. Da es keines gibt, fragte sie sich, wo sie anfangen sollte. Tee, Toast, Netflix und auf keinen Fall vor die Tür.
Kichererbsen konnte sie auch morgen noch kaufen, denn Geld hatte sie unerwartet und erstaunlicherweise zur Verfügung (obwohl, voll war sie immer).
Der Körper brauchte Brennstoff, die Flammen loderten immer noch hochtourig.
Ah, Ohhh, was ist das Schwimmbad für die geistige Abkühlung? Sex and the City? House of cards? Sie schmiss zwei Eier in die Pfanne.
Zum Glück waren die Gurken grade so günstig, sie hatte zwei gekauft und eine war noch im Kühlschrank. Die Äpfel mussten eben auch erst morgen gekühlt werden, zwei, um sie ins Paradies zu werfen, wie, wusste man ja bereits.

Dieser Text ist neu getippt und steht nicht im Heft. Er wird weiter geführt vielleicht und erscheint Anfang 2020 bestimmt im nächsten Magazineforthearts. Bis dahin oder zum Gesellschaftsabend N° 12 am Do. 8. 8. 2019

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